BMW March M1

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"Selbst, wenn er kaputt ist, ist er noch der geilste hier".

Mit diesen Worten verabschiedete sich ein Teilnehmer vom "Ventilspiel" am Red Bull Ring von Marc Dürscheidt und seinem BMW March M1. Warum der Teilnehmer diesen Satz sagte und warum das Auto am Ende des Wochenendes kaputt war erzähle ich dir später noch.

Wir fangen aber etwas früher an - nämlich im Jahr 2010, als die gemeinsame Geschichte von Marc und dem March M1 beginnt. Auf Ebay gekaufte Karosserieformen und viele, viele Arbeitsstunden später lief der Gruppe 5 Rennwagen und die 6 Töpfe des Biestes schrien zunächst durch das Industriegebiet und 2017 bei seiner Jungfernfahrt auf dem Hockenheimring.

Meine erste Begegnung mit Marc und dem M1 habe ich einer Freundin zu verdanken. Wie es der Zufall will, sind die beiden verwandt und sie zeigte mir ein Bild vom Auto in der Anbremsphase auf das Yokohama S nach der Start-Ziel Geraden auf dem Nürburgring beim Oldtimer Grand Prix und meine einzige Reaktion war nur - "Was zur Hölle ist das bitte für ein Auto?!" und meine Faszination wuchs mit jedem Artikel, den ich über das Auto las.

Die damalige Kooperation zwischen BMW und March Engineering hatte dieses fantastische Ergebnis. BMW lieferte die Motoren, beziehungsweise sollte die Motoren liefern, doch dazu kam es nie. March lieferte ab und entwickelte die Außenhülle des Fahrzeuges und wartete schlussendlich auf BMW, dass diese den Motor entwickelten und dann auch lieferten. Doch dazu kam es nie, denn BMW setzte zur gleichen Zeit auf die Formel 1 und entschied sich, die Entwicklungsgelder lieber dort zu investieren und so wurde das Motorenprojekt und schließlich auch das gesamte BMW March M1 Projekt eingestellt. Nun könnte man sagen, dass der bisherige M1 Procar Motor auch dafür funktioniert hätte, jedoch fuhr die Konkurrenz in der Gruppe 5 mit ihren Turbomonstern gute 800PS (Stichwort Moby Dick oder Zakspeed Capri) und somit hätte es dem M88 Saugmotor, mit seinen 470PS, auch einem Turbolader gutgetan. 

 

Am Ende des Projektes standen nun 6 originale Fahrzeugnummern, die teilweise nie vollständig fertiggestellt wurden. Darunter sind das Chassis Nummer 1, welches im BMW Museum gehütet wird, Chassis Nummer 3, welches an einen Privatier nach Amerika ging und auch nun der unten gezeigte BMW March M1, welcher die Karosserieteile von Chassis Nummer 2 bekam - des originalen Le Mans Fahrzeuges, dessen Chassis jedoch 1980 in Brands  Hatch größtenteils bei einem Unfall zerstört wurde.

Nach diesem kleinen Ausflug in die Vergangenheit nun zum 08. Oktober 2021. Als mir Marc sagte, dass er fährt, war für mich klar, da muss ich hin! Also Lampen, Kamera, Objektive und 2 Kumpels (und Zweckentfremdete Assistenten) eingepackt und los in Richtung Red Bull Ring!

Die eigentliche Veranstaltung, das Ventilspiel, startet erst am darauffolgenden Morgen, doch die Anreise erfolgt bereits am Abend davor und so bot sich uns diese unglaubliche Chance, diese Rarität im Dunkeln in der menschenleeren Boxengasse des Red Bull Rings abzulichten. Hin und wieder streifen einige Schaulustige und andere Fahrer durch die Boxen und die meisten verweilen in der Box 12, dem kurzzeitigen Zuhause von Marc und seinem M1. Doch auch andere Schönheiten aus dem Hause BMW sammeln sich in der Box und können den Rennmorgen kaum abwarten.

Der nächste Morgen, Wecker klingelt um 7 und zum Frühstück müssen ein paar Kekse während der Fahrt reichen - auf zur Strecke. Der Adrenalinpegel steigt und die Stimmung in der Boxengasse ist bombastisch! Alle freuen sich, dass es losgeht. 

Nach morgentlicher Fahrerbesprechung, tanken, Luftdruck überprüfen und Rennoverall anziehen geht es ins Auto. Wenn zeitgleich alle 5 Autos in der Box ihre Motoren starten und die Mischung aus Abgas, Lärm und herrlichem Benzingeruch - so sehe ich es zumindest - entsteht, bekommt man Gänsehaut am ganzen Körper. Eine unvergessliche Zeitreise zurück in die goldene Zeit des Motorsports. Die Motoren massieren das Körperinnere und der Boden vibriert, als die Boliden in die Boxengasse fahren. Beim hinterherlaufen bietet sich ein unglaublicher Anblick, den man im Jahre 2021 nicht mehr für möglich hält.

Es reihen sich BMW 3.0 CSL, Ford GT40, BMW M1 Procar, Porsche 911 RSR, Alfa Romeo GT Am, Ford Escort RS MK1, McLaren CanAm C6, BMW March M1 und viele weitere unglaublich schöne Rennwagenklassiker hintereinander und lassen die Motoren zum Start hochdrehen. Eine wahrhaft surreale Umgebung und Geräuschkulisse.

Nach der anfänglichen Überwältigung kehrt nun der "Rennstreckenalltag" ein, wenn man so will. Die Teilnehmer fahren aufgeteilt in 4 Startergruppen ihre Stints und jagen über die steierische Rennstrecke am Spielberg. 

Die Boliden hämmern an der Start-Ziel Geraden vorbei und ehe man sich versieht, ist es schon nachmittag.

Doch nun zu Durchlauf Nummer 3 und dem anfänglich angesprochenen Unfall. Ich selbst war zum Zeitpunkt auf der Tribüne am Ende der Geraden und dachte mir schon aus der Ferne, da stimmt etwas nicht. Marc bog in die Spitzkehre ein und es bot sich ein erschreckender Anblick. Das vordere linke Rad hing im 90 Grad Winkel nur an der Bremsleitung aus dem Radkasten heraus und das Fahrzeug schliff auf 3 Rädern an mir vorbei. Von der Tribüne aus hatte man einen guten Rundumblick und Marc konnte das Fahrzeug sicher abstellen. Nun auf zur Box und warten, bis der Abschlepper das Auto bringt. Nach der Vergewisserung, dass Marc in Ordnung ist, nun die Frage, "Was ist passiert?". Ein Zusammenspiel aus Fahrfehler und technischem Versagen ließ die Radaufnahme brechen und bescherte wohl einigen Zuschauern einen Schreckmoment. In der letzten Streckenkurve auf die Start-Ziel Gerade hinaus kam Marc etwas zu weit auf die Streckenmarkierung hinaus und der Curb gab einen unsanften Schlag auf das vermutlich schon angeknackste Radlager und der Haarriss entwickelte sich zu einem Ermüdungsbruch. Mit dem Schrecken davongekommen und mit reparablen Schäden geht es nach Hause.

Ich persönlich kann mich nur den Worten des Teilnehmers anschließen und sagen:

"Selbst wenn er kaputt ist, ist er noch der geilste hier!"

Und damit viel Spaß mit der Serie.